Wie Kinder sich Gott vorstellen
Entwicklungen - Fehlformen - Aufgabenstellungen
"Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott"
Martin Luther, Katechismus

 

»Wenn du ein Kind bist, dann verstehst du alles:

Mister Gott sitzt auf einem goldenen Thron; er hat einen langen weißen Bart und einen Schnurrbart und eine Krone hat er auf dem Kopf. Und alle um ihn rum singen die ganze Zeit wie die Verrückten. Immerzu Hymnen und so Zeug. Kein Mensch kann das aushalten.

Und Mister Gott macht einfach alles, wenn man bloß nett genug darum bittet. Er kann Willy nebenan eine Warze auf die Nase machen zur Strafe, weil er Millie verhaut. All so was macht er ganz fabelhaft, und darum ist er so wichtig, und man benützt ihn die ganze Zeit.

Und ‘n bisschen später, dann denkt man ganz was anderes, und Mister Gott ist immer schwieriger zu verstehen. Aber es geht noch gerade. Dann kommt einem plötzlich vor, als wenn er uns nicht mehr verstehen will. Jetzt hört er einfach nicht mehr zu. Er sieht es plötzlich nicht ein, dass man unbedingt ein neues Fahrrad braucht. Und dann kriegt man auch keins. Und dann versteht man ihn schon viel weniger.

Und wenn man noch älter wird, so wie ich oder so wie du, Fynn, dann ist es schon wieder schwieriger. Und dabei wird er irgendwie kleiner. Und man versteht ihn nur noch so viel wie viele andere Sachen, die auch schwierig sind. Die ganze Zeit in deinem Leben bröckeln da Stücke von ihm ab. Und dann kommt der Punkt, da sagst du, du verstehst ihn überhaupt nicht mehr. Siehst du, und dann ist er wieder ganz ganz ganz groß. So groß, wie er in Wirklichkeit ist. Und wumm, da lacht er dich aus, weil du so blöd warst.«

Aus: Fynn, Hallo Mister Gott, hier spricht Anna. Frankfurt a.M. 1980, S. 79

 

Gespräche über Gott - Projektbericht

Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus einem Projektbericht der Einrichtung: städt. Kindertagesheim Dulsburg. In diesem Hamburger Stadtteil zeigt sich viel soziale Spannung und "neue Armut". Die Pfarrerin der Gemeinde führte mit den Kindern im Zusammenhang mit den Geschichten von Abraham und Sara Gespräche über Gott.

2. Stunde

Sascha: Gott ist durchsichtig. Er hat einen Bart und Hände. Er hat Augen und kann alles sehen. Er hat Zauberkräfte und ist sehr mächtig. Jede Seele gehört Gott, jeder Mensch kommt zu Gott in den Himmel, wenn er gestorben ist. Gott war selbst ein kleines Kind, das ertrank, in den Himmel kam und dann zu Gott wurde.

Leila möchte nicht erzählen. Sie murmelt, dass es keinen Gott gibt.

Olivieira ist nicht ganz sicher, ob es einen Gott gibt. Wenn es ihn gibt, dann sieht er ähnlich aus wie Abraham und ist sehr nett. Er lebt im Himmel.

Hendrik: Gott ist unsichtbar. Er hat weiße Haare, einen weißen Bart, blaue Augen und er lebt im Himmel. Er ist größer als die Menschen und selbstverständlich männlich.

Seyit: Gott existiert auf jeden Fall. Er hat einen langen, weißen Bart, weiße Haare, ein weißes Kleid, blaue Augen und er hält ein Kreuz in der Hand. Gott lebt im Himmel und ist größer als die ganze Welt. Er ist überall, er verteilt sich, macht sich so groß, dass er überall sein kann. Die Menschen hat er aus Sand gemacht.

Michael: Es gibt einen Gott, und der hat einen weißen Bart

Die Kinder wollen dann Papier und Bleistift bekommen, um ihre Bilder von Gott zu malen....

Rückblick:

Die Kinder stellen sich Gott noch bildhafter und konkreter vor, als ich es zuvor vermutete. Nur 2 Kinder haben keine oder wenig Vorstellungen von Gott, wovon eines nicht über ihre Vorstellungen reden möchte, es aber unklar ist, inwieweit sie sich schon Gedanken gemacht hat. Mir ist zunächst unklar, woher die Kinder ihre Vorstellungen haben. Sascha erzählt z.B., dass Gott in seiner Kinderbibel einen weißen Bart und weiße Haare habe. Daher hat er seine Vorstellungen!

Fast alle Kinder beschreiben Gott als einen Mann, der im Himmel sitzt und die Übersicht über die Welt hat. Auf meine Frage, ob Gott sicher ein Mann sei, ernte ich erstaunte Gesichter. "Was denn sonst?" "Eine Frau vielleicht?" Großes Gelächter ist die Antwort. "So´n Quatsch!"

3. Stunde

(...) Ich stelle die Bilder und die Gedanken der Kinder vor, und die Mädchen sind sofort begeistert, ihre Ideen zu erzählen. Aus einer recht kurzen Vorstellung der Ideen entsteht ein langes Gespräch über Gott.

Funda: Gott ist eine Seele, er ist aus Luft. Er sieht nicht aus wie ein Mensch, sondern lebt überall, wo Luft ist. Er hilft allen.

Sonja: Jeder in unserer Familie stellt sich Gott anders vor. Für mich ist Gott ein weißer, durchsichtiger Umhang, so groß wie das Weltall. Gott hört nicht auf. Er tut allen Menschen Gutes.

Oliveira: Gott ist eine Seele, er ist überall. Auch wenn ich weit weg von hier bin, z.B. in der Türkei, ist Gott dort.

Leila möchte nicht erzählen, hört aber sehr gespannt zu.

Karen Preußke, in: was+wie? 2/91, S. 82-85

 

Ergebnisse und pädagogische Aufgabenstellungen

Wie Kinder sich Gott vorstellen:
bulletanthropomorph (d.h. menschenförmig): männlich, weiße Haare und Bart, blaue Augen, Hände, weißes Gewand ...
bulleträumlich: Gott ist oben im Himmel, sitzt auf einer Wolke, ist umgeben von Engeln ...
bulletübermenschlich: Gott ist mächtig, unsichtbar, größer als die Welt, sieht alles und kann alles, kann zaubern ..
bulletSchöpfer: Er hat Himmel und Erde geschaffen, den Menschen aus Sand gemacht ...
bulletmetaphorisch: Gott ist "ein weißer, durchsichtiger Umhang, groß wie das Weltall ..."

Fazit: Kinder brauchen diese bildhaften und konkreten Vorstellungen; sie entsprechen ihrem mythisch-wörtlichem Glauben (vgl. Fowler, Stufe 2).

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Lebensgeschichtliche Veränderungen im Glauben
(nach Friedrich Schweitzer und Angela Kunze-Beiküfner)

Die Wurzeln des Glaubens liegen in frühester Kindheit. „Am Anfang des Lebens stehen demnach Erfahrungen des Einsseins mit der Welt, die der Trennung von Ich (Subjekt) und Welt (Objekt) noch vorangehen. Gleichzeitig werden die Erwachsenen, auf deren Zuwendung das Kind in dieser frühen Zeit angewiesen ist, als allmächtiges Gegenüber erfahren. Sie sind Quellen der Geborgenheit und der Hoffnung, aber auch von Ängsten – etwa davor, verlassen zu werden. Solche Erfahrungen haben für Kinder eine unbedingte, existenzielle Bedeutung (...). In späterer Zeit bilden sie den Resonanzboden für religiöse Sprache und Symbole, für religiöse Feste und Feiern. Sie führen zu einer bleibenden Sehnsucht nach einem größeren Gegenüber, das Schutz und Geborgenheit gewährt. (Schweitzer, S. 35)

Zwischen dem Elternbild und dem Gottesbild besteht also eine deutliche Nähe (vgl. dazu auch Fowler, Stufe 1). „Kinder beschreiben Gott häufig ähnlich, wie sie auch ihre Eltern beschreiben (sehr groß, stark, mächtig, aber auch behütend, beschützend und vertraut). Dies verweist übergreifend auf die Aufgabe, Kindern eine Sprache zu bieten, mit deren Hilfe sie religiöse Fragen und Erfahrungen aus der frühesten Kindheit sowie in der Gegenwart angemessen zum Ausdruck bringen können.“ (Schweitzer, S. 36)

„Inzwischen haben aber neuere Studien belegt, dass die Kinder bereits im frühesten Kindesalter für abstrakte Gottesvorstellungen empfänglich sind und auch schon sehr kleine Kinder zwischen der kreativen Kraft Gottes und der Kraft, über die Menschen verfügen, unterscheiden können.“ (A. Kunze-Beiküfner, in: RPP 2009/2, S. 14)

Im Grundschulalter bilden Kinder ein umfassendes Weltbild aus, das stark mythologische Züge aufweist. Das Kind unterscheidet deutlich zwischen oben und unten, gut und böse, Gott und Teufel, Himmel und Hölle.

„Die Beziehung zu Gott ist häufig von einem wechselseitigen Geben und Nehmen, von Prinzipien wie Lohn und Strafe und einem Zusammenhang von Tun und Ergehen geprägt.“ A. Kunze-Beiküfner, in: RPP 2009/2, S. 30)

Vorstellungen aus den Mythen der Antike (= bildhafte Erzählungen aus grauer Vorzeit über die Entstehung und Entwicklung der Welt), der Bibel und der Märchen werden wörtlich übernommen. Ihr Weltbild ist räumlich-polar aufgebaut, Gott hat anthropomorphe Züge. Der Mensch steht zwischen den Mächten oben und unten. „Für die Kinder selbst sind solche Vorstellungen und Weltbilder aber sehr wichtig, nicht zuletzt als Voraussetzung für ein Gefühl der Geborgenheit“ (Schweitzer, S. 36).

Im Jugendalter tritt ein spannender Prozess ein: Zum Einen leben Jugendliche in einem Sinn- und Wertesystem, das sie überwiegend kritiklos von anderen Erwachsenen übernommen haben, sozusagen wie der Fisch im Wasser. Zum Anderen wird der Kinderglaube in Frage gestellt: „Der Weltraum als Planetensystem ersetzt jetzt den Himmel und damit verliert Gott seine ‚Wohnung’ und Funktion, er ist als Bewohner des Himmels nicht mehr vorstellbar.“ (ders., S. 36)

Die Autorität der Erwachsenen tritt mehr in den Hintergrund, „die Gesellschaft der Gleichaltrigen übt auch auf die religiöse Entwicklung einen wichtigen Einfluss aus. Besonders vor der Klasse will man sich, wie eine 13-Jährige in einer Studie zum Verständnis biblischer Geschichten sagt, nicht mit dem Glauben etwa an Heilungs- oder Wundergeschichten lächerlich machen (auch wenn man ihnen insgeheim vielleicht angesichts erster eigener Lebenskrisen durchaus etwas abgewinnt). Religiöse Deutungen sind nicht die einzig mögliche Begründung von Identität, aber in allen Fällen spielen Sinnfragen ausdrücklich oder unausdrücklich eine wichtige Rolle.“ (ders., S.36f.)

„Mit zunehmender Selbsterkenntnis und Selbständigkeit wächst wieder die Sehnsucht nach Annahme und Verschmelzung. Spirituelle Erfahrungen auch außerhalb der geläufigen Institutionen und ganzheitlich-sinnorientierte religiöse Angebote werden gerne wahrgenommen. Neue Rituale und Ausdrucksformen des Glaubens werden wichtig. Das Gottesbild wird universaler, abstrakter und pluraler.“ (A. Kunze-Beiküfner, in: RPP 2009/2, S. 31)

Quellen: Friedrich Schweitzer, Herr Gott im Himmel, in: Schüler – Wissen für Lehrer 2005, S. 35-36;              RPP 2009/2
Literaturtipp:  RPP 2009/2, Kindertheologie im Elementarbereich
Aus dem Inhalt:
Was ist Kindertheologie?
Theologische Gespräche im Kindergarten
Mit Kindern über Gott sprechen
Hannes sucht Gott. Eine Geschichte in 8 Bildern

Begleitend dazu: Bildermappe Hannes sucht Gott

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Fehlformen und Zerrbilder des Gottesglaubens

nach Albert Biesinger:

„Religiöse Erziehung kann auch gefährlich sein. Ich weiß, was ich mit diesem Satz sage, weil ich genügend Menschen, vor allem ältere Menschen kenne, die vor Gott Angst haben, und ihre Angst rührt von Gottesbildern her, die ihnen von ihren Eltern ausgemalt wurden.

Solche Bilder von Gott nehmen Einfluß auf die sensiblen Seelen von Kindern, und es ist mit großer Verantwortung zu überlegen, welche Gottesbilder ihnen vermittelt werden dürfen.

Die Bibel selbst lehrt uns, so über Gott und mit Gott zu sprechen, daß er als der Freund der Kinder aufscheint, als der, der die Kinder in seine Arme nimmt und sie segnet. Gefährlich sind folgende Bilder von Gott:

Der Richter-Gott, der laufend alles aufschreibt, was wir tun, und dann an irgend einem Tag unseres Lebens mit uns wie in einem Gerichtsurteil abrechnet. Zwar spricht Jesus davon, daß wir am Ende von Gott ausgerichtet werden auf ihn und daß uns dabei alles das, was wir an Scherben in unserem Leben hinterlassen, aufgeht; dies ist ein schmerzlicher Prozeß. Das ist aber eine andere Vorstellung von Gericht, als wenn wir uns Gott wie einen herzlosen Gerechtigkeitsfanatiker vorstellen, dem es Spaß macht, endlich zuzuschlagen. Nein, Gott richtet uns vielmehr endgültig auf sich aus. Er macht uns heil.

Der Buchhalter-Gott ist in den Augen vieler Menschen, auch junger Eltern, wie ein Buchhalter, der dauernd aufschreibt und unsere guten und schlechten Taten zählt, verrechnet und bestraft oder belohnt. In die Seele von Kindern gräbt sich ein solches Bild von Gott negativ ein; er wird mehr und mehr zum flächendeckenden elektronischen Weltenrechner, vor dem es kein Entrinnen gibt.

Der Todes-Gott ist das Gegenteil von dem Gott des Lebens, den Jesus verkündigt hat. Diese äußerst wichtige Aussage der Verkündigung Jesu muß Eltern hellhörig machen, damit sie ihrem Kind nicht so von Gott erzählen, daß er sich als ein Todes-Gott entpuppt. Das Bild von Gott als Todes-Gott verbreitet die Idee, daß Gott uns ans Leben möchte, daß er uns mit dem Tod bestraft. In den Elendsvierteln  Lateinamerikas wird Gott geradezu umgekehrt angeredet. Statt lieber Gott“ sagen die Eltern und Kinder: Gott des Lebens, wir bitten Dich um Kraft und Mut, daß wir Arbeit finden, daß wir uns gegenseitig helfen können, das Elend zu überstehen.“

Der Leistungs-Gott: Eltern erzählen Kindern von einem Gott, dem man es nie recht machen kann und der immer unzufrieden ist mit uns. Dieses Gottesbild ist eine große Gefährdung, weil es Kindern die Möglichkeit verbaut, sich von Gott geliebt zu fühlen, so wie sie sind, auch mit ihren Schwächen und Grenzen. Oft wird sogar schulisches Versagen in Verbindung gebracht mit Gott: ein Teufelskreis, der nichts mit dem Gott Jesu zu tun hat, den er den Kindern verkündet hat, indem er sie auf die Arme nahm und ihnen über den Kopf streichelte, gerade weil sie nichts leisten.“

(A. Biesinger, Gott mit Kindern wieder finden, Freiburg 1995, S. 17ff)

 

Dagegen gilt es, die Gottesvorstellungen der Kinder stets beweglich zu halten. Dies gelingt,

bulletindem die Kinder Raum bekommen, sich gegenseitig von ihren Vorstellungen zu erzählen;
bulletindem durch biblische Geschichten immer wieder neue Gotteserfahrungen zur Sprache kommen, denn die Bibel lässt viele verschiedene Bilder von Gott nebeneinander stehen;
bulletindem die Kinder durch die Betrachtung von Kunstwerken in ihrer Phantasie angeregt werden, z.B. im Rahmen eines Kirchenbesuchs: gerade in Kirchen finden sich viele Symbole für Gottes Wirken (z.B. Licht; Taube; Dreieck; Engel ...)
bulletindem Kindern durch die Teilhabe an Festen und Brauchtum die Möglichkeit geboten wird, lebendige Ausdrucksformen des Glaubens einzuüben
bulletindem in Liedern und Texten Metaphern (Sprachbilder) angeboten werden, die dem Kind helfen, seine eigene, individuelle Vorstellung von Gott zu bilden.
bulletindem Kindern Zeiten der Stille angeboten werden, sodass sie zu einem inwendigen Lauschen und Hören finden können.

A. Gruber

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Am Anfang steht das Urvertrauen

Hans-Jürgen Fraas

„So wie die Mutter dem Kind liebevoll und fürsorgend begegnet, bevor sie (in der Entwöhnungsphase, in der analen Phase) mit Versagungen und Forderungen an es herantritt, so muß Gott zunächst als der Liebende, Leben Spendende. Verheißende erfahren sein, ehe er als Forderer und Garant des Rechts in den Blick des Kindes kommen darf. Es verbietet sich grundsätzlich, Gott als Erziehungsmittel zu mißbrauchen, als den, der aufpaßt, wenn die Mutter aus dem Zimmer geht, als den, der straft. Vor der Forderung steht das Urvertrauen, vor der Aufgabe die Gabe, vor dem Gebot die Verheißung, vor dem Gesetz das Evangelium (wie immer theologisch über die Reihenfolge zu urteilen sein wird, im Bereich der Erziehung kann darüber kein Zweifel bestehen), vor den zumutbaren Frustrationen die Erfahrung des Angenommenseins, vor der Zuwendung zur Welt die Wendung nach innen. Immer wieder wendet das Kind sich nach innen, es liebt die Höhlenspiele im Zelt, unter dem Tisch, in einer dunklen Ecke, im Gitterbett als Symbolen des Mutterschoßes. Dunkle Kirchengewölbe mögen auch den heutigen Erwachsenen in dieser Hinsicht bisweilen unbewußt stärker ansprechen als die modernen Bauten aus Beton und Glas. Das Kind liebt es, auf dem Schoß zu sitzen. Die Bibel spricht von Abrahams Schoß als dein Ort der Geborgenheit im Tod. In einer stark verunsichernden Welt, in der der Mensch sich gegenüber der Natur und dem Kosmos exponiert und der meisten der früheren Entlastungssysteme beraubt ist, in der der Einzelne ständig zu wirtschaftlichem, gesellschaftlichem, politischem Einsatz gefordert ist, wird es um so mehr darauf ankommen, Urvertrauen als Voraussetzung für ein umgreifendes Gottvertrauen zu vermitteln. Das erste Reden von Gott wird sich dann auf Hinweise beschränken, die Gottes Fürsorge verdeutlichen und die die entsprechende Haltung der Eltern zum Ausdruck bringen. Wenn das Kind spürt, daß es nicht nur Vertrauen zu den Eltern haben darf, sondern daß die Eltern selbst in einer entsprechenden größeren, weitergreifenden Vertrauensbeziehung stehen, die die augenscheinliche Distanz zu überwinden vermag, wird das spätere realistische Gottvertrauen am sinnvollsten und einprägsamsten strukturell vorbereitet.“

Hans-Jürgen Fraas, Das Urvertrauen, in: Konzepte 1, Kösel 1978 S. 26

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Kinder brauchen die Verwurzelung in einer Religion als Grundlage für ihre Geborgenheit und ihren Glauben, aber auch, um später Offenheit und Toleranz für andere Religionen und Weltanschauungen zu entwickeln. In seinem Buch: Die Entstehung Gottes im Kinde, 1992, S. 50 f umreißt Fritz Oser wesentliche Aspekte der Gottesbeziehung.

Wichtige inhaltliche Aspekte der Gottesbeziehung
nach F. Oser

1. Die Kinder sollen erfahren und erleben, dass sie von Erwachsenen und Kameraden akzeptiert, unterstützt und geliebt werden, und zugleich, dass Gott dem Menschen Vater und Mutter ist, ihn akzeptiert, trägt und liebt.

2. Die Kinder sollen erfahren und erleben, dass Menschen für sie sorgen (und sich Sorgen machen). Zugleich sollen sie diese Sorge auf die Fürsorge Gottes am Menschen anwenden lernen.

3. Die Kinder sollen erfahren und erleben, dass Menschen ihnen helfen, wenn sie in Not sind, und sie sollen zugleich sehen lernen, dass Gott uns Menschen in der Not trägt (Bitten um die Gabe des Verstehens).

4. Die Kinder sollen erfahren und erleben, dass Menschen ihnen verzeihen und dass auch sie anderen verzeihen können. Und sie sollen verstehen lernen, dass auch Gott überall und jederzeit seine Vergebung schenkt.

5. Den Kindern soll nicht verschwiegen wer den, dass auch der Erwachsene Fehler hat, scheitert und sein Einflussbereich beschränkt ist. Zugleich sollen sie erfahren und erleben, dass er in Situationen der Schwäche auf Gott bauen kann und dass Gott beständig sein Versprechen am Menschen hält; (Bundestreue).

6. Die Kinder sollen auch Krankheit, Elend und verschiedene Schwierigkeiten der Menschen miterfahren. Zugleich sollen sie erfahren und erleben, dass Gott gerade in den dunklen Stunden des Lebens zum Menschen steht, ihn „von hinten und vorne umfangen hält“

7. Die Kinder sollen erleben, dass Menschen sterben.  Zugleich sollen sie der Botschaft begegnen, dass der Tod nicht das Letzte ist, weil Gott dem Menschen Auferstehung und ewiges Leben verheißen hat.

8. Die Kinder sollen der christlichen Botschaft begegnen, dass Gott seinen Sohn gesandt hat und dass Jesus bis in Tod und Auferstehung hinein die Herrlichkeit Gottes gelebt und verkündet hat.

Zitiert nach: Anschlussfähig und bildungsstark. Anforderungen an die religionspädagogische Praxis in katholischen Kindertageseinrichtungen, hrsg. v. KTK 2006, S. 50f.

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Druckversion

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Praxisbeispiel: Bist Du ein Haus aus dicken Steinen ...

Vielfältige Metaphern bietet folgendes Lied von Detlev Jöcker (Musik) und Reinhard Bäcker (Text)

Mein Gott ...

Bist Du ein Haus aus dicken Steinen mit Fenster und mit einem Dach?
Gibst Du den Großen und den Kleinen stets ein Zuhause Tag und Nacht?
 
Bist Du ein Licht mit bunten Strahlen, das meinen Weg erhellt?
Kann ich dich wie die Sonne malen, die morgens in mein Zimmer fällt?
 
Bist Du ein Lied das alle singen, weil seine Melodie so schön.
bei dem wir lachen tanzen springen und lauter gute Dinge sehn?

Als weitere Metaphern werden noch eingeführt:

Ein Schiff mit starken Masten
Ein Freund, dem ich vertraue
Eine Kuscheldecke
Die letzte Strophe lautet:
Mein Gott! Ich kann Dich gar nicht sehen, und doch sagst Du: Ich bin bei dir.
Mein Gott! Wie soll ich das verstehen? Ich bitte Dich: komm, zeig es mir!
Reinhard Bäcker nennt folgende Möglichkeiten, mit dem Lied zu arbeiten:
 

"Der Text des Liedes ist aus Gesprächen in einer Kindergruppe entstanden. Die Kinder hatten zunächst kennengelernt, wie alttestamentliche Psalmbeter von Gott und mit Gott reden, und malten dann mit Fingerfarben großflächige Bilder, auf denen sie ihre eigenen Gotteserfahrungen und -beziehungen zum Ausdruck brachten. Die Kinder erzählten dann zu ihren Bildern, sprachen über die Bedeutung der einzelnen Bildworte für Gott und entdeckten die Gemeinsamkeit, die in dem Refrain des Liedes formuliert ist. — Das fertige Lied bietet nun die Möglichkeit, mit einer Kindergruppe im Kindergottesdienst oder im Religionsunterricht den folgenden Weg zu gehen:

1. Die Kinder hören das Lied von der Cassette.

2. Die Kinder lesen den Text des Liedes und beschreiben, welche Bedeutung die einzelnen Bildworte für sie haben.

bulletein Haus           —        Gott schützt mich
bulletein Licht           —        Gott zeigt mir den Weg
bulletein Lied            —        Gott schenkt mir Freude
bulletein Schiff          —        Gott hilft mir
bulletein Freund        —        Gott kann ich vertrauen
bulleteine Kuscheldecke       —        bei Gott bin ich geborgen.

3. Die Kinder lernen aus biblischen Texten andere Bilder kennen, mit denen Menschen ihre Erfahrungen mit Gott beschrieben haben, z.B.

bulletGott     —        mein Fels         (Psalm  18,3)
bulletGott     —        meine Burg       (Psalm  18,3)
bulletGott     —        mein Hirte        (Psalm  23,1)
bulletGott     —        mein König      (Psalm  93,1)
bulletGott     —        mein Vater       (Lukas 15,11 ff.)

4. Jedes Kind wählt das Bildwort aus (eine Liedstrophe/ einem biblischen Text oder ein eigenes neues Bildwort) das ihm besonders gut gefällt und malt dazu ein großes Fingerfarbenbild. — Anschließend erzählen die Kinder, was sie gemalt haben.

5. Zu den neuen Bildworten, die in den Lied nicht vor kommen, werden von einigen oder allen Kindern gemeinsam neue Strophen formuliert.

6. Zum Abschluss wird das Lied im Wechsel gesungen bzw. gesprochen:

Jeweils ein Kind singt oder spricht die Strophe, zu der es ein Bild gemalt hat (wenn mehrere Kinder Bilder zum gleichen Bildwort gemalt haben, wird die Strophe von diesem Kindern gemeinsam vorgetragen) . Nach jeder Strophe wird von allen Kindern der Refrain gesungen."

Aus: Heut ist ein Tag, an dem ich singen kann. Kinderlieder von Lele und Detlev Jöcker, Texte von R.Krenzer und R.Bäcker. Menschenkinder Musikverlag, S. 13f.

 

Zuletzt aktualisiert: 10.2009